Auch hier bliebe ein unangenehmer Umstand – seine Aufmerksamkeit, die Dinge zu betrachten, erwiese sich allzusehr als die eines fröhlichen Wandertagsmenschen, der botanische Kenntnisse hat. Bietet sich der AHORN zu rasch dafür an, ihn mit menschelnden Inhaltsebenen aufzuladen, die die Innigkeit von Erzähler und Natur zementieren, so entstammt der SPITZAHORN dem Duktus jenes Bildungsbürgers, der mit spitzen Fingern das Erbe der Aufklärung anzutreten meint. Mag er nur deren Kataloge zitieren: jene Reihungen von Namen, die den ACER PLATANOIDES (Spitzahorn), die TILIA PLATYPHYLLOS (Sommer-Linde), aber auch den CAPUT MORTUUM enthalten.

Den Abgrund hierunter zu verwerten, kann durchaus erwünscht sein: den komplexen Diskurs über die Technologisierung der europäischen Gesellschaft, ihre umwälzende Expansion in außereuropäische Länder, die Geschichte präziser Messungen, Gliederungen, Leitsysteme vom aufgespießten Schmetterling bis zum erfaßten Täterschädel literarisch aufzutun; ansonsten nimmt sich der kleine SPITZAHORN etwas überdimensioniert aus. Für die Beschreibung eines bloßen Ehekrachs vor der Kulisse jenes mächtigen ACER PLATANOIDES bleibt historisch gesehen kein Raum.

Wenn man versehentlich zu genau hinschaut: jene Präzisierung, welche falschen Allgemeinplätzen (BAUM), falschen Harmlosigkeiten (AHORN) aus dem Weg gehen möchte, sieht sich mit überbordenden Kontexten konfrontiert, selbst wenn sie nicht gleich das von mir skizzierte Ausmaß annehmen muß. Es reicht, MERCEDES zu schreiben statt AUTO, um gleich die komplette Klassenstruktur der westlichen Gesellschaft mit ins Boot des beschriebenen Ehekrachs zu heben.