Hast Du schon die Lebhaftigkeit der Straßen um diese Stunde beobachtet? Es ist fast 6 Uhr, die ganze vornehme Welt fährt jetzt in den großen Boulevards aus. Und sieh nur diese endlose Reihe, Wagen, Automobile, Zweiräder, Omnibusse! Welches Gewirr und welches Leben! Und gerade hier, an der Ecke der Straße Montmartre, erlebst Du etwas. Sieh diesen Haufen Leute, die hinüber wollen; wir werden dasselbe tun. Sieh den Schutzmann, wie er seinen weißen Stock erhebt, alsbald hört die Fahrt der Wagen auf. Jetzt folgen wir und überschreiten den Boulevard des Italiens. Auf dieser Seite befinden sich die Theater, wo die berühmten Künstler, deren Photographien in den Schaufenstern ausliegen und deren Namen sich in allen Zeitungen finden, auftreten. Hier ist das Vaudeville, da unten die Oper, auf der andern Seite die Renaissance, dann weiterhin das Tor St. Martin, das Ambigu-Theater usw. Und jene große graue Masse, mit düsterer Außenseite inmitten prächtiger Läden, ist die berühmte Boden-Kredit-Anstalt. Es scheint, daß die Menge Silbers und Goldes, die in den ungehörigen Stahlkammern dieser Bank ruht, wahrhaft ungeheuerlich ist. Man hat mir erzählt, daß alles das wie eine wirkliche Festung gebaut ist, daß eine Schar Feuerwehrleute in diesem Hause tätig ist, damit es vor Diebstahl und Brand bewahrt bleibt. Nun wollen wir zum Opernplatz hinabsteigen, der ist hier der eigentliche Mittelpunkt des vergnügungssüchtigen Paris. Bewundere diese gewaltigen Cafés, diese Schaufenster, wo alle diese wunderbaren Luxusgegenstände ausliegen, deren Eigenart Paris ist, dieses Hin und Her der Droschken, der herrschaftlichen Fuhrwerke, der Automobile.
[Dr. Otto Knörk / Jules Hauzeur, Neue Kaufmännische Bibliothek für den Selbstunterricht und die Praxis. Band VII. Französisch für Kaufleute und Gewerbetreibende für den Selbstunterricht und die Praxis, Berlin 1908, S. 280ff.]